Hans-Joachim Drews
 
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Werner Zurfluh

Märchen als Schlüssel zu den Quellen der Nacht

 

Paperback, 86 Seiten, € 9,90

ISBN: 3-922 554-04-0

Klappentext    -     Leseprobe

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Klappentext

 

In diesem Buch weist Werner Zurfluh darauf hin, dass das Wissen um die Möglichkeit, während des Schlafzustandes des physischen Körpers bewußt bleiben zu können, schon seit jeher bekannt gewesen ist.

In den Märchen aller Völker sind nämlich der luzide Traum und die außerkörperliche Seinsweise die Grundvoraussetzungen für das Gelingen der märchenhaften und schamanischen Seelenfahrten. Die "Erlösung" setzt ein kontinuierliches Ich-Bewußtsein voraus. Dieser Sachverhalt wird vom Autor vor allem im Zusammenhang mit dem Bündnermärchen "Die Prinzessin aus alter Zeit" und der tatarischen Heldensage "Kan Mirgän, Komdei Mirgän und Kanna Kalas" aufgezeigt. Beide Geschichten können in ihrem vollständigen Wortlaut in diesem Buch nachgelesen werden.

Ferner weist Werner Zurfluh auf die Bedingungen hin, die für die persönliche Einstellung maßgeblich sind, wenn es dem modernen Menschen wieder gelingen soll, einen DIREKTEN Zugang zum Erfahrungsschatz unserer Märchen zu bekommen. Als wichtigste Bedingung wird die Aufrechterhaltung der Kontinuität des Ich-Bewußtseins postuliert, zumal diese Bedingungen - so glaubt Werner Zurfluh nachweisen zu können - auch von den Märchen  gefordert oder zumindest akzeptiert werden.

Wenn die Forderung nach dem Wachbleiben des Ichs während des Schlafens entgegen der üblichen Meinung erfüllt wird, dann wird das, wovon die Märchen erzählen, für jeden einzelnen Menschen erlebbar. Unter dieser Voraussetzung  kann sowohl die Märchenwelt als auch die Welt des nächtlichen Erlebens mitgelebt werden und den Alltag bereichern. Dieses kleine Buch macht also den alten Schatz der Märchen auch jenen wieder zugänglich, die mit Deutungen nichts anzufangen wissen oder sie sogar ablehnen - und es öffnet die Tür zum nächtlichen Raum der eigenen Erfahrungen.

 

Leseprobe

 

Meine These, viele Schamanen und Reisende im Märchenland würden über ein kontinuierliches Bewußtsein und damit über die emotionalen und kognitiven Funktionen verfügen, stützt sich sowohl auf eigene Erlebnisse als auch auf Indizien und direkte Aussagen, u.a. in Märchenerzählungen. Abgesehen davon haben manche Schamanen selbst darauf hingewiesen, daß ihr Ich während der "Seelenreise" handlungsfähig bleibt und um seine Identität weiß.

Wenn man zu Bett geht, um zu schlafen, ist es möglich, das Ich-Bewußtsein und das Wahrnehmungsvermögen auf einen zweiten, offensichtlich "nicht-materiellen" Körper zu verlagern. Wenigstens hat man das Gefühl, daß dem so sei. Dieses "Umsteigen" kann völlig absichtslos, d.h. spontan geschehen, wobei zunächst - vor allem für den unerfahrenen und ungeschulten Betrachter - vom Gefühl der Ich-Identität wie von den Körperempfindungen her kaum Unterschiede zum vorherigen Zustand auszumachen sind. Dies könnte einer der Gründe sein, weshalb in Märchen und Sagen manchmal lediglich gesagt wird "Als sie einschlafen wollte, erwachte sie wieder" oder "Als er eingeschlafen war, wurde er wieder geweckt". Diese Sprechweise entspricht einem Erleben, das sich nicht sonderlich um Abgrenzungen kümmert. Oft geschieht zudem der Übergang in die Anderswelt ohne aufsehenerregende Szenenwechsel, sondern fließend und beinahe unmerklich. Es sind dann nur geringfügige Unterschiede der Umgebung, die der aufmerksame Beobachter als Hinweis auf einen Wechsel der Erfahrungsebene zu erkennen vermag. Und diejenigen, die einer Geschichte zuhören, müssen sehr genau hinhören, um die minimen Andeutungen erfassen zu können.

Die Märchen sind wie die Erzählungen von Schamanen und anderen "Seelenreisenden" praktisch von Bedeutung, denn sie  sind vor allem für diejenigen eine Orientierungshilfe, die zum ersten Mal eine Welt jenseits des Alltäglichen betreten - und sich weder beim Übergang noch beim Aufenthalt in der Anderswelt zurechtfinden. Dann trägt das Wissen um "märchenhafte" Geschichten dazu bei, Ängste abzubauen. Das Ereignis der Seelefahrt kann jedem Menschen zustoßen - und dann ist es sehr wichtig und vor allem beruhigend, schon etwas von einem aufziehenden Nebel und von Klappfelsen gehört zu haben, zu wissen, daß schreckliche Dinge dreimal hintereinander  geschehen und feste Gegenstände durchdrungen werden können, daß Tiere sprechen und Menschen fliegen, daß es Tarnkappen, Siebenmeilenstiefel und Zaubersättel gibt - denn all dies gehört zur Wirklichkeit der Anderswelt und läßt sich nicht durch Interpretieren in ein theoretisches System eingliedern oder auf Wunschvorstellungen reduzieren. In der Anderswelt gelten andere Gesetze, und es braucht ein sich selbst und seines Zustandes bewußtes Ich, um sich situationsadäquat zu verhalten. Sonst geht es selbst und mit ihm eine Wirklichkeit zugrunde, die niemand verschlafen sollte, wenn er menschlich bleiben will.

 

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