Hans-Joachim Drews
 
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Die Erzählungen des Alten Gorfud

Hrsg.: Michael Morgental

Aus den "Nachgelassenen Papieren des Paul Doringer"

Paperback  -  95 Seiten  -  € 8,40

ISBN 3-922554-00-8

Vorwort  -   Leseprobe

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 Aus dem Vorwort des Herausgebers

 

Es ist schade, daß Paul Dorninger nie dazu kam, die große Geschichtensammlung zu schreiben, die ihm als Sechzehnjährigem in jugendlicher Begeisterung vorschwebte. (...) Soweit ich aus den vielen Niederschriften in den Tagebüchern schließen kann, ging es ihm um zweierlei:

Die "kleinen Geschichten" (...) waren Versuche, die Ideale auszudrücken, die sich ein junger Mensch damals [in den sechziger Jahren] selbst suchen mußte, denn in den Tagebüchern finden wir immer wieder die Klage, daß ihm niemand von den Erwachsenen wirklich Antworten auf die bedrängenden Fragen des Lebens geben konnte oder wollte, und so suchte er sie sich selbst in Fabeln und Gleichnissen, vor allem aus der östlichen Weisheit (Islam, Indien, China, Japan, Zen), die er dann zu Geschichten des alten Gorfud umgestaltete (...). Und ist nicht auch die Gestalt des alten Gorfud selbst Ausdruck der Sehnsucht nach einem lebenserfahrenen Menschen, der den Jüngeren Anleitung geben kann?

Andererseits wollte er seine Freundin Anteil nehmen lassen an seinen Tag- und Nachtträumen, ihr die Empfindungsweise seines Herzens vermitteln.

  

Leseprobe

Die Geschichte vom Meister der Malkunst

In dem großen Lande Tschung-Kuo, das weit weg von unserem Lande liegt, lebte einst ein Mann, der war ein Meister in der Kunst des Malens. Er konnte solche wunderschönen Bilder auf das weiße Papier zaubern, daß alle Menschen, die eines seiner Werke sahen, erstaunten und von großer Freude und Sehnsucht erfüllt wurden. Er malte zarte, zauberhafte Landschaften, seltsame Tiere und bunte Pflanzen, prächtige Städte und schöne Menschen; und alles, was er malte, war von unendlicher Vollkommenheit und seine Bilder schienen zu leben. Jeder, der seine Kunst kannte und ein Bild von seiner Hand besaß, war glücklich. Der Kaiser von Tschung-Kuo und viele mächtige Fürsten kamen in das Haus des Malers, um eines seiner Werke zu erwerben. So war dieser Mann berühmt und geachtet, doch er lebte einfach und schlicht.

Als er nun alt geworden war und den Tod herankommen fühlte, versammelte er seine Schüler und ließ ein großes, feines, weißes Stück Lindenholz, das zu einer Platte geschnitten war, bringen und vor sich aufstellen. Dann befahl er, die Pinsel und Farbsteine zu holen. Eigenhändig rieb und mischte er die Farben. Dann malte er schweigend eine Landschaft, die an Schönheit und Einfachheit alle seine bisherigen Bilder übertraf: eine Mondnacht auf einem Berggipfel, der von einigen knorrigen Kiefern bestanden war, dazu schlängelte sich ein Weg an den Bäumen vorbei und bog hinter einige große Felsen.

Als er das Bild beendet hatte, waren die Schüler stumm vor Verwunderung und Entzücken. Dann sagte er: "Ich nehme Abschied von euch! Behaltet, was ich euch gelehrt habe!"

Nach diesen Worten wandte er sich um und ging in das Bild hinein, betrat den Pfad, drehte sich zurück und winkte, dann verschwand er hinter den Felsblöcken.

Staunend saßen seine Schüler vor dem Bild und blickten auf die Landschaft, in die der Meister der Malkunst geschritten war. Ein würziger Föhrengeruch schwebte im Raume, er schien aus dem Bild gekommen zu sein.

Es dauerte lange, bis sich die Schüler aus ihrer Verwunderung gelöst hatten. Still ging ein jeder seines Weges; sie wurden alle berühmte Maler, aber die Kunst ihres Meisters haben sie nie erreicht.

Dann erreichte den Kaiser von Tschung-Kuo  die Kunde und er erwarb das Bild und ließ es in seinen Palast in einem eigenen Raum aufstellen; dort steht es noch heute und jeder Reisende, der in die Hauptstadt kommt, kann das Meisterwerk betrachten.

 

© 1980 Wolkentor-Verlag

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